Freiwillige Feuerwehr Frankenheim

Geschichte

Geschichtliche Entwicklung der
Freiwilligen Feuerwehr Frankenheim

Das Gesetz über das Feuerlöschwesen im Großherzogtum Sachsen- Weimar- Eisenach vom 23. November 1881 bildete die Grundlage für die Organisation und Arbeitsweise der örtlichen Feuerwehren. Entsprechend dem Gesetz wurde jede Gemeinde des Großherzogtums verpflichtet eine gut ausgerüstete und ausgebildete Feuerwehr zu unterhalten, und ebenso die notwendigen Geräte und Löscheinrichtungen zu schaffen und diese zu unterhalten.
 
Zum Feuerwehrdienst waren alle männlichen Einwohner im Alter von 18 bis 50 Jahre verpflichtet. Es bestand die Möglichkeit des Loskaufes (sich vom Dienst los kaufen) durch die Entrichtung einer jährlichen Geldbetrages.
 
Die Feuerwehr hatte zu bestehen aus: Feuermännern, Spritzenmännern, Feuerboten, und Hilfsmannschaften.
 
Zur Grundausrüstung jeder Gemeinde musste gehören:
 
      1             Hakenleiter
      2             Doppeläxte
      1             Feuerleiter mit eiserner Spitze und Gabel
      2             Feuerhaken an Stangen
      2             Schlauchbrücken
      1             Rädertiene mit 6 Eimern
 
Verschiedene Modelle von als Rädertiene bezeichneten Geräten,
welche Bauart in Frankenheim Verwendung fand ist leider nicht dokumentiert

Ausstellungsstück in einem Museum                    Fotographie der Cottbusser Feuerwehr


Erhaltenes Stück bei der Potsdamer Feuerwehr

Zweifellos war die Idee Löschwasser zur Einsatzstelle zu bringen die Triebfeder solcher Konstruktionen. Spätere Modelle bezeichnen die Kameraden bis heute als Tanklöschfahrzeuge. 
 
 
Im Jahre 1884 wurde auf energisches Betreiben der Großherzoglichen Bezirksdirektion eine tüchtige Feuerwehr (Pflichtfeuerwehr) in Frankenheim gebildet. Der Grund war die steigende Zahl von Bränden. Außerdem wurde ein Spritzenhaus mit Steigerturm zum Trocknen der Schläuche gebaut und eine leistungsstarke Spritze angeschafft. Der Staatszuschuss betrug 1800,- Mark. Das Spritzenhaus in der Sophienstraße war ein schlichter Fachwerkbau und diente der Unterstellung der einfachen Geräte. Errichtet wurde es vom ortsansässigen Zimmermann Valentin Röll II.
 
 
Aufnahme aus den 1970iger   Jahren                                                                                   

 
Die Auflistung der Gerätschaften der Frankenheimer Feuerwehr nennt im Jahre 1909 folgende Gegenstände:

2             Feuerspritzen
2             sonstige Feuerwehrleitern
1             Schlauchwagen
4             Feuerhaken
6             Gurtlaternen 
16           Hanfschläuche (230 Meter) 
1             Spritzenlaterne     
1             Fangleine     
2             Hakenleitern     
7             Beile     
2             Äxte

Zum Bestand der Feuerwehr zählten auch zwei Pferde zum ziehen des Schlauchwagens.
 
Anlässlich eines Jubiläums wurde die alte Handdruckspritze noch einmal angespannt.
Der historisch gekleidete Feuerwehrmann  ist der Pferdegespannführer des staatlichen Forstbetriebes,
Harald Schneider (verst.)

Um den abwehrenden Brandschutz besser gewährleisten zu können, wurden im Laufe der Zeit weitere Gerätschaften erworben
 
1918     1 Hydrantenkarren
1920     1 Kübelspritze
1923     eine weitere Spritze
1926     zwei weitere Pferde
1931     1 Handdruckspritze mit Saugwerk
1932     1 Mannschaftswagen 
1932     2 Handdruckspritzen                               
         Handdruckspritze aus dem beginnenden 20. Jahrhundert                                                                
   
 
                                         
Damals bestand die Möglichkeit bei Tag und Nacht eine Motorspritze aus Ostheim herbeizurufen.

1933 erhielt die Feuerwehr eine Koebe-Kleinmotorspritze "Triumph" mit einer Pumpleistung
von 600 l/min und einen geschlossenen Spezialtransportwagen Modell "Bad Sachsa" . 

1938 wurde das Signalhorn durch ein Nebelhorn ersetzt.

1943 wurde die Fischer- Kraftspritze "Retterin" (800 l/min) mit einem Zweitakt-Motor angeschafft.


 
Diese Tragkraftspritze "Retterin" gehört der Feuerwehr Großharthau. Die fahrbare Lafette und der Kasten gehörten zum Lieferumfang.    
                                                                                                                                                                    
 
 
Dazu kam ein Einachsanhänger (TSA)


In den 1940iger Jahren bekam die Feuerwehr in Frankenheim das erste Auto. Es war ein ausgemustertes Polizeifahrzeug vom Typ FENO „Granit“.
 
 
K 30 Granat (Originalaufnahme)

Nach etwa 20 Jahren wurde dann ein neues Feuerwehrauto beschafft. Es war ein „K30 GRANAT“.

Laut Ausrückeordnung vom 22.03.1960 waren für die Gemeinde Frankenheim festgelegt:
 
     
1             LKW       LF 8 Kaltensundheim     
1             LKW       LF 8 Kaltennordheim     
1             Zugmaschine von der LPG Frankenheim     
1             Zugmaschine von Walter Abe     
1             Pferdegespann von der LPG Frankenheim
 Geräte:    
1             TSA mit TS 4 aus Frankenheim       
1             Motorsäge vom staatlichen Forstbetrieb Frankenheim      
1             Motorsäge von der PGH „Fortschritt“ Frankenheim     
1             Schweißgerät von der PGH „Empor“ Frankenheim     
1             Schweißgerät von der LPG Frankenheim     
1             Flaschenzug von Heinrich Schrodt
 
Die Alarmierung erfolgte durch eine Sirene. Hornist war Hermann Barthelmes II.

Die Kameraden beschlossen in den 1980er Jahren den Um- und Erweiterungsbau des Gerätehauses. Im Jahre 1987 begann die Arbeit. Die
Grundfläche wurde verbreitert und ein Stockwerk aufgesetzt. So entstanden ein Versammlungsraum, eine Küche und sanitäre Anlagen. Vollendet wurde dieser Bau
1990. Diese Räumlichkeiten kommen nicht nur der Feuerwehr zugute, sondern werden von der Bevölkerung Frankenheims gern für Feierlichkeiten in Anspruch
genommen.
Um den Anforderungen gerecht zu werden, war ein neues Fahrzeug notwendig. Die Feuerwehr erhielt 1986 das Löschgruppenfahrzeug LF 8/TS8-STA vom Typ LO,,Robur‘‘.
Dieser leistete seine Dienste bis 1993 und wurde dann durch ein Fahrzeug aus Emmendingen abgelöst.
Es war ein der neuen Zeit angepasstes Löschgruppenfahrzeug.
 
Ein LF8 vom Typ ,,Magirus‘‘ aus dem Baujahr 1972.

Nun, da die politische Wende in vollem Gange war, eröffneten sich auch neue Möglichkeiten, um die Löschtechnik und Schutzausrüstung der Frankenheimer Feuerwehr auf einen "aktuellen Stand" zu bringen. Großzügig wurden alle Kameraden mit neuer Einsatzkleidung ausgestattet. Die olivgrünen DDR- Feuerwehruniformen konnten jetzt endlich ins Museum.
Um die Frankenheimer Feuerwehr auch auswärts würdig repräsentieren zu können, wurde die Gestaltung einer eigenen Feuerwehrfahne angedacht.
Dieser Gedanke wurde dann im Jahr 2000 umgesetzt. Die Fahne wurde dann mit einem kleinen Festakt am 08.07.2000 von Pfarrer Rössner gesegnet.
 Fahnenweihe am 8.7.2000

Weiter wurde angeschafft:

1999 die IFEX 3000, ein hocheffizientes Löschgerät für Klein- und Entstehungsbrände

2001 ein Mannschaftstransportwagen

2005 ein Tanklöschfahrzeug vom Typ W50
 

Tanklöschfahrzeug vom Typ W50                                 Mannschaftstransportwagen
Das Gerätehaus in der Sophienstraße konnte dies alles nicht mehr aufnehmen. Ein neues und modernes Feuerwehaus musste geschaffen werden.
Das geschah im Jahr 2005. Im März begann der Umbau der alten Garagen am Ortseingang von Reichenhausen kommend. Diese waren zuvor von Wasserwirtschaft,
Forst und der Gemeinde genutzt worden. Die Planungsarbeiten übernahm Herr Raßmann aus Wasungen. Das Gebäude bekam neue Tore, einige Zwischenwände, ein
Treppenhaus und ein komplett neues Dach. Im neuen Gerätehaus findet die Löschtechnik der Frankenheimer Feuerwehr ihren Platz. Unter anderem ein
Löschgruppenfahrzeug, ein Tanklöschfahrzeug, ein Mannschaftstransportwagen, zwei Schlauchanhänger,
ein Pkw- Anhänger und noch einiges mehr. Für den Ausbau und die Einrichtung eines Beratungs- und Schulungsraumes für die Kammeraden der Frankenheimer
Feuerwehr hat das Geld zunächst noch nicht gereicht. Diese Aufgabe muss in der Zukunft gemeistert werden.



 Bürgermeister Manfred Abe hält eine kleine Ansprache zum Richtfest
 
 
Insgesamt kostete das Gebäude 321.130 Euro. Zur Gemeinschaftsförderung trugen das Innenministerium und das Amt für
Landentwicklung und Flurerneuerung bei. Der gemeindliche Eigenanteil betrug noch ca. 124.600 Euro. Außerdem, so schätzte Bürgermeister Manfred Abe, dürften die
Frankenheimer, sowohl Kameraden als auch andere engagierte Bürger und die Gemeindearbeiter, mit Eigenleistungen nochmal einen Wert von 100.000 Euro
erwirtschaftet haben.


 
Schlüsselübergabe

Am 07.10.2005 fand die Einweihung des neuen Feuerwehrhauses statt. Bürgermeister Manfred Abe übergab dem stelv.
Ortsbrandmeister Franz Rauch (verst.), offiziell den Schlüssel für das Gebäude. Zuvor gab es noch viele Glückwünsche und
Geschenke von den Nachbarbürgermeistern aus Birx und Erbenhausen, von Kreisbrandinspektor Eberhard Abt, von Bauplaner Frank Raßmann, von Landrat Ralf Luther, vom Vorsitzenden der Verwaltungsgemeinschaft ,,Hohe Rhön‘‘ Manfred Beetz und dem Gemeinderat sowie weiteren Gästen und Kameraden.

Pfarrer Alfred Spekker schloss seine Glückwünsche mit den Worten:
 
"Gott schütze dieses Haus und alle,
die da gehen ein und aus."

2009 blickte die Freiwillige Feuerwehr auf 125 Jahre Geschichte zurück. Grund genug, um ein zünftiges Fest zu feiern. Aber auch Grund genug um in der Feuerwehrchronik genau zu recherchieren, wie die vergangenen Jahre für die Feuerwehr verliefen. Dabei entstand unter anderen eine Festschrift. Auch die Inhalte dieser Internetseite sind maßgebliblich von dieser Arbeit geprägt. Die Feuerwehrchronik wird seit vielen Jahren von unserem Kameraden Roland Stepper geführt und gepflegt. Während dieser Arbeit fiel auch eine Personalstatistik über 100 Jahre auf. Diese kann jetzt weitergeführt werden.



Dienstposten bzw. Dienstgrade vergangener Jahre  
1909 87 Mann
1910 76 Mann
1911 80 Mann
1912 27 Mann
1919 50 Mann
1921 28 Mann
1925 51 Mann
1926 42 Mann
1929 45 Mann
1930 46 Mann
1932 28 Mann
1937 49 Mann
1938 32 Mann
1960 23 Mann
1967 33 Mann
1968 39 Mann
1972 38 Mann
1976 48 Mann
1989 42 Mann
1993 26 Mann
1998 26 Mann
2001 31 Mann
2004 30 Mann
2009 26 Mann
2012 22 Mann

                    
  • Ortsbrandmeister
  • Ortswehrführer
  • Zugführer
  • Feuermann
  • Oberfeuerwehrmann
  • Löschmeister
  • Stützleitermänner/ Stützmänner
  • Stützleiterführer
  • Druckmänner
  • Signalist/ Hornist
  • Feuerboten
  • Spritzenmänner
  • Sanitäter

Leider ist nicht mehr in Erfahrung zu bringen
welche konkreten Aufgaben die Kameraden mit ihren
Dienstposten hatten. Lediglich der Wortstamm bzw.
die Herkunft der Bezeichnung lassen Rückschlüsse
auf die Aufgaben zu.            

In den Mannschaftslisten der vergangen Jahre lassen
sich immer wieder Einbrüche in den Mitgliederzahlen
verzeichnen. Dies ist wohl der Tatsache geschuldet,
dass die jungen Männer jener Zeiten anderweitig
beschäftigt wurden und so für den Dienst in der
Freiwilligen Feuerwehr in ihrem Heimatort nicht zur
Verfügung standen.


  • 1914 bis 1919 Erster Weltkrieg und 
  • 1937 bis 1945 Zweiter Weltkrieg; in den Folgejahren Schwund der Mannschaftsstärke durch hohe Zahl
    gefallener und verwundeter Kameraden
  • 1952 Aufstellung der Kampfgruppen der Arbeiterklasse in der ehem. DDR
  • 1989/ 1990 politische Wende und Wiedervereinigung; viele Arbeitsplätze im Ort gingen verloren; die Kameraden mussten auswärts arbeiten, viele quittierten den Dienst bei der Feuerwehr.    
   

    
   

Brandtafel
 

Wann? Was? bei Wem? Wo? Warum?
01.09.1879 1 Wohnhaus abgebrannt Valentin Beck Am Berg unbekannt
04.06.1882 Dachstuhlbrand in der Schule Reichenhäuser Straße 18 Blitzschlag
13.04.1894 10 Wohnhäuser abgebrannt     vermutlich Brandstiftung
04.08.1900 Wohnungesbrand   Stiftswirtshaus unbekannt
28.11.1901 Wohnungsbrand Johann Beck Untere Eck 2 Heu auf Dachboden
 11.08.1907 1 Wohnhaus mit Scheune abgebrannt    Am Friedhof  Spielen mit Streichhölzern 
 03.09.1911 3 zusammenhängende Wohnhäuser abgebrannt  Arno Dietzel, Oskar Abe, Armin Rauch     unbekannt
 22.03.1914 Wohnungsbrand  Georg Oskar Schreiber    unbekannt 
 13.05.1914 Scheunenbrand    Am Friedhof 14   unbekannt
1927  Wohnhausbrand      unbekannt 
13.05.1942  Scheunenbrand  Christian Barthelmes  Am Friedhof  unbekannt 
 1952 Scheunenbrand  Bruno Abe  Angerweg 2  Blitzschlag 
 1958 Scheunenbrand  Gustav Abe  Waldstraße 8  Fahrlässigkeit 
26.10.1963  Holzschuppenbrand      unbekannt 
29.05.1965  Zimmerbrand ehem. Kurhaus  Sophienhöhe  unbekannt, Feuerwehr kam nicht zum Einsatz 
 27.10.1967 Geräteschuppenbrand  Wilhelm Schneider  Brücknerstraße 10  Fahrlässigkeit 
 1968 Wiesenbrand      unbekannt 
 11.02.1969  Schwehlbrand in Wohnung   Karolinenheim  gelagertes Vogelfutter 
Sep. 1969  Wohnungsbrand  Manfred Beck  Waldstraße 22  am Herd gelagertes Holz 
 22.09.1969 Wohnungsbrand    Waldstraße 18   defekter Stomregler
 19.11.1971 Scheunenbrand  LPG  Erbhof  Selbstentzündung 
29.04.1974  Scheunenbrand  Karl Friedrich  Reichenhäuser Straße 9  unbekannt 
 Jul. 1986 Garagenbrand  Peter Fischer  Untere Ecke 6  unbekannt 
 06.04.1996 Wohnungsbrand  Bernd Hartmann  Reichenhäuser Straße 24  vermutlich durch Zigarette 
16.07.1997   Wohnungsbrand ehem. Gasthaus
 "Zur Sonne" 
Leubacher Straße 24  Brandstiftung durch Kinder 
 19.02.1998 LKW- Brand    Vorplatz der Schule  technischer Defekt 
25.11.1998 Schwelbrand in Sägespänesilo Holztechnik "Schüler" Alleestraße 20 unbekannt
10.02.1999 Verpuffung in Sägespänesilo Holztechnik "Schüler" Alleestraße 20 unbekannt
12.05.2000 Brand eines Radladers Baubetrieb an den Teichen technischer Defekt
06.04.2002 Wiesenbrand   an der Straße nach Hilders weggeworfene Zigarette
10.07.2002 Wohnungsbrand Karl- Heinz Friedrich "Mäusgehäu", Dr.- Wuttig- Straße 11a Blitzschlag
14.06.2005 Abfallbehälterbrand obere Bus-haltestelle Reichenhäuser Straße Brandstiftung
22.05.2007 Flächenbrand   "Birxer Fichten" Fahrlässigkeit beim Reisig verbrennen
26.04.2008 Küchenbrand Marcel Klammroth "Multigebäude"
Am Friedhof 5
defekter Elektroherd
09.04.2010 Flächenbrand Gaststätte "Schweine-bucht" südlich des Gebäudes unbekannt
28.03.2011 Flächenbrand Gaststätte "Schweine-bucht" südlich des Gebäudes unbekannt
20.12.2012 Radladerbrand Baumarkt "Ulstertal" Landstraße technischer Defekt
30.01.2016 Schornsteinbrand Familie Ritter Am Friedhof  
13.11.2016 Entstehungsbrand in einem Gartenhaus Weide Ernst Alleestraße vermutlich durch Feuerstätte
02.02.2017 Kleinbrand in einem Wirtschaftsraum Steven Klein Alleestraße Haushaltsgeräte/ elektrische Leitungen


 

Historische Texte aus der Pfarrchronik       
                 

           Am 13. April, eines Freitags, wird unser Ort von einem schweren Unglück betroffen.            
Etwa um 2 Uhr nachmittags erhebt sich ein unnatürlich furchtbarer Lärm und unmittelbar darauf stürzt mein Dienstmädchen Agathe Hartmann in mein Studierzimmer mit dem Rufe: "Herr Pfarrer, es brennt!" Ich stürze zum Hause hinaus auf die Straße und sehe, wie die Flamme - aber erst
im Entstehen - doch schon zum Dache der Chr(istian) Gott(lieb) Friedrich- W. Abe II`schen Doppelscheuer bei der Biegung der Hauptstraße nach Birx herauszüngelt. Es ist der Tag der Musterung. Gemeindevorstand, Gendarm, Polizeidiener, fast alle Mitglieder der Feuerwehr befinden sich
in Kaltennordheim. Fast sieben Wochen hindurch haben wir heißes, trockenes Wetter gehabt, kein Tropfen Regen ist gefallen und auch am Brandtag selbst scheint die Sonne vom klaren Himmel und weht ein mäßiger Südost. Ich sorge sofort für telegraphische Meldung des Feuers in die nächsten Orte, sende Feuerboten ab, lasse die Feuerleiter und 2 Feuerhaken zur Stelle schaffen, organisiere endlich möglichst schnell
eine Eimerkette zu den nächsten Brunnen. Inzwischen - es sind kaum 10 Minuten seit Ausbruch des Feuers verstrichen - stehen nicht weniger als
5 Wohnhäuser mit den dazu gehörigen Scheuern und Stallungen im
vollsten Brande, das Dachwerk der oben genannten Scheuer bricht
bereits prasselnd zusammen. Der Südost bläst mit ziemlicher Heftigkeit; Forstaufseher Abe und ich, die wir die Leitung der Löschungsarbeiten übernommen haben, müssen uns darauf beschränken, die zunächst gefährdeten Häuser - nämlich das Franz Theodor Friedrich`sche sowie
vor allen Dingen die unmittelbar an das letzte brennende Gebäude anstoßende Fichtenschonung mit dem daran anschließenden Schutz-
wald zu bewahren. Gehen diese beiden in Feuer auf, dann ist wohl der ganze Ort verloren. Inzwischen, nach etwa 20 Minuten, sind die beiden hiesigen Feuerspritzen am Platze angekommen und in Thätigkeit ge-
treten. Bald darauf erscheint Birx. Mit diesen drei Spritzen geling es, allerdings unter gewaltiger Anstrengung, das Feuer auf seinen nunmehr aus 10 Wohnhäusern mit Stallungen usw. bestehenden Herd zu beschränken. Nach Verlauf von höchstens
1 ½ Stunden, etwa  ½ 4 Uhr nachmittags, ist die größte Gefahr vorüber, und liegen die vor wenigen Stunden noch so freundlichen Wohnungen in Schutt und Asche: von der furchtbaren Schelligkeit, mit welcher das Feuer alles ihm Erreichbare ergriff, giebt diese Zeitangabe einen kleinen Begriff: es war zu schrecklich!  Die von auswärts erschienen beiden Spritzen (Leubach und Hausen) konnten nur wenig noch in Thätigkeit treten; doch hat die Leubacher Feuerwehr ihre Aufgabe, die Fichtenschonung, den Anfang der sogenannten Frankenheimer Allee, vor den Angriffen zu bewahren, glänzend gelöst.
Über die Ursache der Entstehung des Brandes schweben nur Vermuthungen, bestimmtes weiß man nicht, doch richtet sich die allgemeine Meinung auf Brandstiftung. Die abgebrannten Familien sind folgende: Zimmermann Georg Friedrich Röll, Holzhauer Joh(ann) Edmund Dietzel, Weber Heinrich Gottlieb Abe, Tagelöhner Reinhard Schmuck, Peitschenstockmacher Wilhelm Abe II, Weber Wilhelm Gottlieb Abe, Holzschuhmacher Christian Gottlieb Friedrich III, Bauer Bernhard Dietzel, Bauer Georg und Emil Stepper, Weber Ludwig Wilhelm Rauch. Der rege Wohltätigkeitssinn der hiesigen Bevölkerung....trat bei diesem Unglück wieder glänzend zu Tage: die Abgebrannten fanden sämtlich bei Verwandten ein Unterkommen, jeder gab willig und von Herzen zur Linderung der Noth, was er an Kleidung und Nahrung entbehren konnte. Gleich am zweiten Tage nach dem Brande war Bezirksdirektor Schith aus Dermbach hier anwesend, um die ersten Anordnungen namentlich auch hinsichtlich der Versorgung der Abgebrannten zu treffen. Ein Hilfscomité trat zusammen, bestehend aus dem Bürgermeister Robert Abe, dem Pfarrer Otto Schultz, dem Lehrer Berthold Gerlach, dem Gemeinderathsvorsitzenden Adolf Dümmler und dem Mitglied des Armenspflegschafts- und Gemeinderathes Gustav barthelmes; die reichlich aus dem Bezirk und sonsther eingehenden Gaben an Geld, Nahrungs- und Futtermittel wie an Kleidung wurde von der Gemeindeschwester Adelheid Baur vereinnahmt und durch das Comité vertheilt. An barem Geld gingen ca. 500 M(ark) ein, welche zu gleichen Teilen an sämtliche Abgebrannten vertheilt wurden.